Da saßen wir nun gestern Abend in der Commerzbank Arena und hatten uns schon lange auf das Pokal-Highlight gefreut.
Wenn die Frankfurter Eintracht im DFB-Pokal auf den FC Bayern München trifft, gab es bislang immer etwas zu sehen. Bekanntermaßen hat der Pokal “eigene Gesetze”, soll heißen: Hier kann der Außenseiter dem Favoriten auch mal ein Schnippchen schlagen.
Nachdem die SGE am letzten Samstag schon in der Liga auf die Bayern traf, hatte man das Gefühl, man wüsste was einen erwartet. Das Ligaspiel verlor die SGE in München 1:2, also kein Grund zur Panik, im Pokal würde man es besser machen. Soweit die Theorie.
Das Spiel war bis auf den letzten Platz ausverkauft, noch rechtzeitig auf die Parkplätze nahe am Stadion zu gelangen war nahezu unmöglich. Zu allem Überfluss kollidiert bei Spielen unter der Woche der Feierabendverkehr mit den Stadionzuschauern aus aller Welt, was schonmal zu leichten Irritationen im Auto führen kann.
Man fährt also nun in Schrittgeschwindigkeit in Richtung Parkplatz, immerhin ist’s ja noch zwei Stunden vor dem Spiel.
Aber weil Murphy nun einmal einen schrägen Humor hat, macht der Parkplatz-Einweiser den Parkplatz ein Auto vor dem Eigenen dicht. Der Gedanke einfach durch die Absperrung zu fahren verflüchtigt sich nach kurzer Diskussionsrunde im Auto recht schnell. Also heißt es “Parken im schönen Frankfurter Wald”, da wo es keine Laternen gibt. Das ist zwar noch recht nah am Parkplatz, aber Beleuchtung braucht dort offenbar trotzdem niemand. Aber den vollen Preis kann man für diesen Pseudo-Parkplatz an der Straße trotzdem verlangen. Verrückte Welt.
Immerhin hat man so schon ein wenig Zeit bis zum Spielbeginn totgeschlagen, der Fußmarsch vom Auto zum Stadion knappe 15 Minuten, aber frische Luft soll gerüchteweise gut tun.
Jetzt könnte man denken, wenn der Abend schon so anfängt, wäre die Stimmung eh schon für den Eimer. Gestern war das alles anders, gestern war Pokal, gestern wollten wir die Bayern aus der Arena fegen und ins Viertelfinale einziehen.
Zumindest die Fans wollten das, bei der Mannschaft bin ich nicht so sicher.
Irgendwann gings dann endlich los, die SGE-Fans hatten sogar Hübsches vorbereitet (siehe Foto) und lautstark die Mannschaft besungen. Konnte ja keiner ahnen, dass das alles nicht helfen würde.

SGE DFB Pokal 2009
Die Bayern spielten ohne Arjen Robben, der letzten Samstag den 1:1 Ausgleichstreffer gegen die SGE erzielte, kurz nachdem er eingewechselt wurde. “Puh, hier geht also heute Abend was.” Denkste.
Nach 4 Minuten stand van Buyten im Frankfurter Strafraum völlig allein (kommt uns das nicht bekannt vor?), hatte allerdings nicht genügend Zielwasser intus, um den Ball in Oka Nikolovs Tor zu befördern. Offenbar litt die Frankfurter Mannschaft an akutem Gedächtnisverlust, denn genau van Buyten war es doch, der den Samstag zuvor in der 86.ten per Kopf das 2:1 machte. Trotzdem fühlte sich niemand für den Bayern-Verteidiger zuständig. “Oh oh” ging da so manch einem Fan vielleicht durch den Kopf, aber noch war ja nix passiert.
Das sah nach 19 Minuten schon ganz anders aus, da hatten die Frankfurter schon 2 Tore kassiert. Miro Klose Fussballgott bediente die Eintracht gleich zweimal hintereinander. Viel dafür tun musste er kaum, die Abwehr der SGE machte es ihm leicht.
Und dann passierte etwas, das ich schon lange nicht mehr erlebt habe:
Die ersten Frankfurer verließen genervt (beschallt von “Auf Wiedersehen”-Gesängen der Bayern Fans) das Stadion.
Achwas, hier geht noch was, da geht man doch nicht nach Hause, schließlich sind wir hier bei der Eintracht.
Nachdem in der 29.ten allerdings Müller zum 0:3 traf, war ich da auch nicht mehr so sicher.
Mit dem Stand ging es dann auch in die Halbzeit, die Spieler zurecht begleitet von Pfiffen der Fans. Unverständlich, dass Skibbe sich nach Samstag auf Experimente einließ, Steinhöfer in der Mannschaft, Chris nicht in der Innenverteidigung sondern weiter vorn, Liberopoulos und Teber nicht in der Start-Elf. Dass das nicht funktionierte, sah man in der ersten Halbzeit mehr als deutlich.
Nach der Pause wechselte Skibbe Teber und Liberopoulos ein, Steinhöfer und Bajramovic gingen früher duschen als ihre Mannschaftskameraden. Steinhöfer glänzte durch unterirdische Standards, Bajramovic durch Fehlpässe und seltsame Spielzugideen. Das heißt, wenn die Eintracht überhaupt einmal an den Ball kam.
Allein das ist Herausforderung genug, wenn man in keinen Zweikampf hineingeht und darauf hofft, dass die Bayern einem das Leder überlassen.
In der zweiten Halbzeit war nichts mehr zu holen und nach dem 0:4 durch Luca Toni in der 52.ten war selbst ich versucht laut auszusprechen “Ich geh jetzt.”.
Aber man ist dann ja nicht so, auch wenn die Hoffnung dieses mal schon längst unter der Erde war. Die Bayern schalteten gefühlte 4 Gänge zurück und liefen schon einmal aus.
Gegen Spielende wechselte Skibbe noch Fenin gegen Korkmaz, der ein bisschen glänzen konnte, allerdings nur, weil die Bayern gedanklich schon in der Kabine waren. Fenin gewann im übrigen laut Statistik 3 von 12 Zweikämpfen und hatte ganze 25 Ballkontakte im Spiel.
Schaut man sich generell die Statistik der Spieler an, ist alles klar:
Die meisten gewannen nur zwischen 30% und 50% ihrer Zweikämpfe, selbst die sonst so starken Spieler wie Ochs, Franz und Chris sehen hier unheimlich schlecht aus. Auch die Fehlpassquoten sind enorm gewesen am gestrigen Abend. Leichter konnte man es den Bayern nicht machen.
Was die Eintracht komplett vermissen ließ war der Biss. Die ganze Mannschaft eigentlich von Beginn an völlig willenlos, indisponiert. Sie wirkten überhaupt nicht heiß auf das Spiel. Da war kein Kampf, da war gar nichts. Nichtmal Karten gab es, nicht einmal Frust-Fouls, gar nichts. So gesehen hätte das Spiel nicht einmal stattfinden müssen, mit der Einstellung hätte man den 50.000 Zuschauern die kalten Füße ersparen können. Peinlich wars. Nicht, dass man gegen die Bayern verloren hat, aber dass man komplett ohne Gegenwehr sich in einem Pokalspiel hat abschießen lassen. Fremdschämen war/ist da angesagt.
Das nächste Mal kaufe ich mir lieber 35 Cheeseburger anstatt einer Eintrittskarte.
Ich frage mich wirklich ernsthaft, wer nach diesem Auftritt Bock hat, am Sonntag Abend zum Heimspiel gegen Bochum zu gehen.
